Magnesium bei Muskelkrämpfen – Wahrheit oder Mythos?

Es klingt so einfach: Krampf da, Magnesium rein und alles gut! Ist das aber wirklich so? Sicherlich ist Magnesium das am häufigsten verwendete Nahrungsergänzungsmittel (NEM) im Sport. Zeit sich dem Thema wissenschaftlich zu nähern.

Gleich zu Beginn muss leider Wasser in den Wein gegossen werden. Die wissenschaftliche Grundlage dafür, dass die Einnahme von Magnesium als NEM Krämpfen beim Sport vorbeugt oder sie verhindert, ist extrem wacklig. Es gibt keine (!!!) einzige Studie von guter Qualität in der die Wirkung von Magnesium auf belastungsbedingte Muskelkrämpfe untersucht wurde. Selbst für wissenschaftliche Abhandlungen mit mäßiger oder schlechter Qualität sucht man lange. Im Endeffekt gibt es nur einen Fallbericht über eine Tennisspielerin der 30 Jahre zurück liegt. Interessanterweise hatte die Tennisspielerin gar keine „klassischen“ Krämpfe während des Sports aber einen leicht erniedrigten Magnesiumwert im Blutserum. Dieser ist allerdings nicht sehr aussagekräftig. Letztlich basiert auf diesem Einzelfallbericht jedwede Empfehlung zur Gabe von Magnesium im Sport. Das ist wissenschaftlich gesehen schlichtweg verrückt! Aus fachlicher Perspektive heraus ist das pauschale Versprechen eines Nutzens der zusätzlichen Einnahme von Magnesium auf Krämpfe im Sport nicht haltbar. Gleiches gilt für den Einsatz bei Beinkrämpfen in der Schwangerschaft.

Da Magnesium an hunderten Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt ist, müsste es (neben den Muskelkrämpfen) daher im Falle eines Mangels zum Erliegen des Stoffwechsels kommen. Das ist aber beim Sport nicht der Fall.

Neben dem Nicht-Nutzen einer zusätzlichen Magnesiumeinnahme ist auch die Gefahr einer Überdosierung gegeben. Die höchst tolerierbare Zufuhr für Magnesium als NEM beträgt lediglich 250 mg pro Tag. Wer mehr zu sich nimmt, riskiert Durchfälle. Außerdem verhindert ein Zuviel an Magnesium die Aufnahme von Eisen oder Zink.

Bringt Magnesium denn wenigstens etwas zur Leistungssteigerung? Nein. Auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Daten die eine Einnahme unterstützen könnten.

Interessanterweise ist auch die Entstehung von Muskelkrämpfen nicht vollständig geklärt. Vermutlich ist ein Ungleichgewicht der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskel verantwortlich. Prädisponierend für Muskelkrämpfe ist eine höhere als die gewohnte Belastungsintensität, die „Empfänglichkeit“ für Krämpfe und das Geschlecht (häufiger bei Männern).

Zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen gehört ein gut geplantes Training inklusive einer Vorbereitung darauf. Es sollte auf eine ausreichende Erholungszeit (v.a. nach harten Einheiten) geachtet und ausreichend getrunken werden. Am effektivsten zur Behandlung eignet sich das Dehnen der betroffenen Muskulatur.

Fazit: Magnesium wird ausreichend über die Nahrung aufgenommen. Eine zusätzliche Gabe als NEM ist daher nicht sinnvoll und unter Umständen mit Nebenwirkungen (z.B. Durchfall) verbunden. Wer Krämpfe beim Sport erleidet, sollte sie mit Dehnen behandeln.

Veröffentlicht von Dr. med. Achim Jerg, Dipl.-Biol.

Assistenzarzt

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