Wie Sportkleidung die Umwelt schädigt

Jeder kennt die „atmungsaktive“, „angenehm zu tragende“, „geruchstoppende“ und „antibakterielle“ Funktionskleidung großer Sportartikelhersteller (wobei der Vielfalt der vorgenannten Adjektive keine Grenzen gesetzt sind). Werfen wir heute einen Blick auf diese Kleidung und beleuchten biologische Aspekte derselbigen.

Die zum Sport propagierte Kleidung besteht zum Großteil aus Polyester. Dieser Kunststoff ist beispielsweise auch die Basis für PET und Fleece. Entwickelt wurde Polyester in den 1930er Jahren als Alternative zur teuren Seide. Da die einzelnen Polyesterfäden im Vergleich zur Baumwolle sehr dünn, elastisch, strapazierfähig und leicht sind, verbreitete sich Polyester sehr schnell. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Speicherfähigkeit gegenüber Wasser, sodass Polyester kaum Wasser durchlässig ist und dieses auch sehr schlecht speichert. Infolge dessen trocknet z.B. ein T-Shirt aus Polyester recht schnell. Aktuell hat Polyester einen knapp 60%igen Anteil an den Textilfasern und die Baumwolle deutlich überholt.

Kommen wir zu den bedenklichen Aspekten des Polyesters: Die Herstellung der beliebten Faser basiert auf Erdöl, einem nicht-erneuerbaren Rohstoff. Da die Ölressourcen begrenzt sind, wird Öl auch aus unkonventionellen Quellen (z.B. Ölsande in Kanada) gefördert, was zur Rodung großer Waldflächen führt. Darüber hinaus ist Aufbereitung des Erdöls energieintensiv und verbraucht viel Wasser. Gleichzeitig fallen große Mengen giftiger Flüssigkeiten an die vielerorts in Flüsse, Gewässer und damit auch ins Grundwasser gelangen. Von den Katastrophen der Havarie eines Öltankers ganz zu schweigen… Generell emittiert die Textilwirtschaft mit 1.200.000.000 Tonnen mehr CO2 pro Jahr als Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Zurück zum Polyester-Sportshirt: Für die Herstellung eines 250 g schweren T-Shirts werden bis zu 2.300 Liter Wasser verbraucht und gesundheits- und umweltgefährdende Chemikalien eingesetzt. Dies passiert vor allem bei der Herstellung der Produkte in Ländern wie Bangladesh und damit fernab unserer Wahrnehmungssphäre.

Ist das Polyester-Sport-Shirt produziert und in Benutzung ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit des Waschens. Hier beginnt das nächste Problem. Bedingt durch die Waschbewegungen, den Einsatz von Waschpulver und anderen mechanischen Beanspruchungen lösen sich pro Waschgang mehrere Hundertausend winziger Partikel ab (Mikroplastik). Dieses gelangt ins Abwasser und damit in Flüsse und Meere, da Kläranlagen Mikroplastik nicht gut filtern könne. Das Mikroplastik ist nicht biologische abbaubar und zieht im Gewässer weitere Schadstoffe an. All dies wird von Fischen konsumiert und damit gelangt Mikroplastik in unsere Nahrungsmittel. Schon heute ist Mikroplastik überall nachweisbar und wurde sogar in der Muttermilch nachgewiesen. Eine gruselige Vorstellung was Säuglinge und wir alle täglich zu uns nehmen!

Ungeachtet dessen wird die Problematik zuwenig thematisiert. Zwar verwenden einige namhafte Hersteller (z.B. Adidas) recyceltes Polyester, dies löst aber die Problematik des Mikroplastiks nicht, da über den Waschvorgang erneut Partikel ins Abwasser gelangen. Um es ganz klar zu formulieren: Wer Fleece oder sonstige Kleidung aus synthetischen Materialien oder Mischgeweben trägt, leistet einen Beitrag zur Vergiftung von Flüssen, Seen und Meeren! Leider tun wir das damit fast alle und es ist Zeit zum Umdenken.

Was können wir tun?

  1. Langlebige, qualitativ hochwertige und zeitlose Kleidungsstücke anschaffen (keine Wegwerfmode)
  2. Kleidung aus Kunststoffen vermeiden: Auch für Sportkleidung gibt es gute Alternativen (z.B. runamics-Laufkleidung)!
  3. Polyesterkleidung bei 30 °C in Wäschesäcken waschen um die Scherkräfte zu reduzieren
  4. Keinen Weichspüler oder Waschpulver verwenden, besser ist Flüssigwaschmittel
  5. Polyester so selten wie möglich waschen (dem Wald ist es egal ob das T-Shirt benutzt riecht…)

Es gibt eine Reihe guter Informationsquellen. Aus Verbraucher*innensicht ist das Portal Utopia zu empfehlen. Hier werden viele Alternativen vorgestellt und ausführliche Tipps zur Thematik gegeben. Letztlich liegt die Macht bei uns Verbraucher*innen. Wenn wir unser Kaufverhalten ändern, bewegt sich etwas!

Veröffentlicht von Dr. med. Achim Jerg, Dipl.-Biol.

Assistenzarzt

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