Cannabis und das Herz – eine Liebesgeschichte?

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In den letzten Jahren zeichnete sich ein zunehmender Gebrauch von Cannabis ab. So konsumieren laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über 20 Prozent der 18- bis 25-Jährigen die Droge. Ob das Herz dabei auch so gechillt reagiert wie der Rest des Körpers ist Bestandteil der präsentierten Studie aus Boston. Die Kolleginnen und Kollegen zeigten hierin verschiedene Schädigungsmechanismen auf:

  • Zigarettenrauch: Die Verbrennungsprodukte eines Joints (Wirkstoff: Tetrahydrocannabinols, THC) unterscheiden sich kaum von denjenigen einer „normalen“ Zigarette. Da beim Rauchen eines Joints verstärkt inhaliert wird, ist die Schädigung im Verhältnis zur Zigarette sogar noch verstärkt. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass Zigaretten einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall sind.
  • Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt: Cannabiskonsum trägt zur Entstehung und/oder Verschlechterung einer KHK bei. Der genaue Mechanismus dieses Effekts ist unklar. Vermutlich werden Herzmuskel-, Gefäß- und Muskelzellen über den Cannabinoid-Rezeptor 1 aktiviert. Dies führt zu Entzündungs- und Stressreaktionen was letztlich in einer verminderten „Stärke“ des Herzens resultiert (negative Inotropie). Zudem scheint Cannabis die Produktion von LDL („schlechtes Fett“) zu fördern, was wiederum zu Engstellen in den Herzkranzgefäßen und damit einer KHK beitragen kann. Neben Kokain und großen Mahlzeiten ist Cannabis zudem ein unabhängiger Trigger für Herzinfarkte.
  • Herzrhythmusstörungen: Es sind vielfältige Rhythmusstörungen beschrieben. Diese könnten auf die beta-adrenerge Stimulation („Stressreaktion“) des Herzens zurück zu führen sein.
  • Verschlechterung der Herzfunktion: Unabhängig einer Vorerkrankung des Herzens verschlechterte Cannabis in Tierexperimenten die Herzfunktion. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Es gibt jedoch Fallberichte zu einer Verbindung zwischen dem Konsum von Cannabis und Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis).
  • Wechselwirkungen mit Arzneimitteln: Da Cannabis in unterschiedlicher Ausprägung Abbauenzyme hemmt, wird die Wirkung von Arzneimitteln, die über diese verstoffwechselt werden, verstärkt. Damit ergibt sich ein breites Risiko an potentiellen Wechselwirkungen.

Fazit: Die Studienlage ist insgesamt dünn. Die vorgestellten Erkenntnisse stammen überwiegend aus Einzelfallberichten oder Beobachtungsstudien. Aufgrund des zunehmenden Konsums von Cannabis ist jedoch der Forschungsbedarf gestiegen und wir werden künftig sicherlich aussagekräftigere Studien bekommen. In jedem Fall sollten Menschen mit einem hohen Risiko an Herz-Kreislaufkrankheiten zu erkranken auf Marihuana verzichten.

Veröffentlicht von Dr. med. Achim Jerg, Dipl.-Biol.

Assistenzarzt

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